Die Egalität von Software

Die Egalität von Software
Autor(en): Johannes Hintsch

Einer der Reize des Programmierens liegt in dem Schaffensprozess, wobei die Entwicklung eines Programmes mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden ist. Dies zeigt sich durchaus als Alleinstellungsmerkmal bei einem Vergleich des Programmierers oder Informatikers mit anderen Ingenieuren.

Die Faszination des Maschinenbauers könnte ihren Ursprung etwa im Bau von LEGO-Spielzeugautos in der Kindheit haben. Die Grundprinzipien der angewandten Mechanik konnten in diesem Falle in einem spielerischen Umfeld erfahren werden. Sogar einfache Getriebe konnten mittels eines bestimmten Modellsatzes einschließlich Zahnrädern und Gummibändern gebaut werden. In ähnlicher Weise kann den heutigen Jugendlichen eine Lernumgebung geboten werden, um ihnen ein grundlegendes Verständnis vom Programmieren bei gleichzeitig geringen Kosten zu vermitteln. Das eigentlich Faszinierende an der Softwareentwicklung sind jedoch die Ideen, welche erwachsen können, wenn wirkliches Interesse entfacht wurde.

Der Maschinenbauer mit einer Vorliebe für Fahrzeugtechnik baute vielleicht schon im Kindesalter LEGO-Autos. Im Zuge seiner wachsenden Fähigkeiten, gepaart mit dem Wunsch, seine Entwürfe weiter voranzutreiben, muss er jedoch auch sein Budget anpassen. Zwar kann der versierte Ingenieurwissenschaftler mittels computergestützter Design- und Simulationssoftware sein Wunsch-Auto kreieren, doch steht dies in keinem Vergleich zum unmittelbaren Erleben und Erfahren.

Der Softwareingenieur hingegen kann seinen eigenen Computer, den seiner Familie oder sehr kostengünstige Geräte (z. B. Raspberry Pi) nutzen und erhält zusammen mit einem Breitband-Internetanschluss Zugang zu einer umfassenden Datenbank an Informationen zum Programmieren. So können in Kombination mit Open-Source-Softwareentwicklungs-Kits und umfangreichen Bibliotheken funktionsfähige Programme problemlos entwickelt werden. Die Einstiegskosten zum Programmieren von produktionsreifer Software sind demnach relativ gering und entsprechen in etwa der Anzahl an Stunden, die für das Programmieren aufgewendet wurden. Dies reflektiert sich vor allem auch in der Vielzahl an nennenswerten Open-Source-Softwaretools.

Zwar sind Marketing- und Vertriebsaktivitäten meist ausschlaggebend für den Erfolg, doch gilt dies ebenso für das Anbieten von Anwendungsdiensten – insbesondere vor dem Hintergrund der explosionsartigen Verbreitung von persönlichen Produktivitäts-Apps oder Anwendungsdiensten wie z. B. Wunderlist. Ein Großteil der dafür verwendeten Software basiert auf frei zugänglicher Open-Source-Software. Auch hier entsprechen die Einstiegskosten für Prototypen in etwa der für die Aneignung von Kenntnissen erforderlichen Zeit einschließlich der nachfolgenden Arbeitsstunden. Prototypen für derartige Dienste sind leicht zu realisieren. So können dank leicht zugänglicher Containerisierungs- und Virtualisierungstechnologien vollständige produktionsähnliche Systemlandschaften virtualisierter Computerserver geschaffen werden, welche durch ein virtuelles Netzwerk miteinander verbunden sind. Dabei erfordert es nicht mehr als einen Laptop mit einem Open-Source Linux-Betriebssystem, um ein kleines Rechenzentrum zu virtualisieren. Haben derartige Anwendungen Marktreife erlangt, erlauben sogenannte „Infrastructure-as-a-Service“-Angebote eine Skalierung mit linear steigenden Grenzkosten.

Mit einer wachsenden Nutzerschaft steigen natürlich auch die Betriebs- und Supportkosten. Zudem könnte eine Anwendung zwar für 100, jedoch nicht für 1000 Nutzer geeignet sein. Dennoch stehen die verschiedenen Fälle erfolgreicher Start-Ups als Beispiel einer neuen Egalität in der Entwicklung von Anwendungsdiensten. Diese Egalität hinsichtlich der Kapitalkraft, häufig gefördert durch angloamerikanische Finanzierungskonzepte, schafft kleine disruptive Dienste, die häufig das Leben leichter machen und in selteneren Fällen ihren Schaffern zu hoher Kapitalkraft verhelfen.

In dieser Tabelle erfolgt eine – wenn auch nicht erschöpfende – Gegenüberstellung anfallender Kosten für die Herstellung von Fahrzeugen, Software sowie Anwendungsdiensten.