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Hybride Wertschöpfung

Hybride Wertschöpfung
Projektstatus: laufend

Globale Marktszenarien führen dazu, dass Produkte und Dienstleistungen für Konsumenten sehr leicht vergleichbar sind. In solchen vergleichbaren Angebotssituationen ist häufig eine Preisführerschaft der Schlüssel, um Marktanteile zu gewinnen. Unternehmen, die ihre Marktanteile im Wesentlichen über eine Preisführerschaft erzielen, haben tendenziell weniger strategischen Entwicklungsspielraum. Eine strategisch bedeutsame Art, sich gegenüber dem Mitbewerber in vergleichbaren Märkten zu differenzieren, ist das Anbieten von hybriden Leistungsbündeln (Burr, 2002). Hybride Leistungsbündel stellen dabei eine integrierte Kombination von physikalischen Produkten und immateriellen Dienstleistungen dar mit dem Ziel, ein spezifisches Kundenproblem zu lösen (Hirschheim, Klein, & Lyytinen, 1995).

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass das Management von hybriden Leistungsbündeln in Informationssystemen etablierte Geschäftsprozesse vor neue Herausforderungen stellt. So lassen sich hybride Leistungsbündel in Geschäftsprozessen wie, beispielsweise im Supply Chain Management beschrieben, nur unzureichend darstellen (Schrödl, Gugel, & Turowski, 2010; Schrödl, Gugel, & Turowski, 2011). Die Forschung im Bereich der hybriden Wertschöpfung konzentriert sich auf Modelle und Methoden zur Erstellung von hybriden Leistungsbündeln. Die Diskussion über die Beschaffung hybrider Leistungsbündel in Wertschöpfungsnetzwerken steht noch aus (Bensch, Schrödl, & Turowski, 2011). Eine enge Anbieter-Lieferanten-Beziehung ist notwendig, um Prozessverbesserung in der Beschaffung sowie Kostenreduktionen zu erreichen, die dann zwischen Anbieter und Lieferant aufgeteilt werden können (Carr & Smeltzer, 1999). Daher sind Wertschöpfungsnetzwerke geeignet, neben operationalen Aspekten in der Beschaffung auch strategische Aspekte zu realisieren.

Während die Beschaffung tangibler Güter in Liefernetzen eine lange Forschungshistorie aufweist, wirft die Beschaffung von Dienstleistungen und Diensten im Sinne von Angeboten, die über das Internet auf Abruf bezogen werden können, eine Vielzahl von Fragen auf, die bisher noch nicht hinreichend beantwortet sind (Bensch & Schrödl, 2011; Bensch, Schrödl, & Turowski, 2012). So sind Fragestellungen nach Service Level Agreements (SLA’s), die sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen, noch unbeantwortet. Weitere Themen sind Garantieleistungen für Dienste im Sinne von Qualitätsgarantien, Verfügbarkeitsgarantien, Zuständigkeiten bei komplexen Serviceangeboten oder auch Themen wie Risikomanagement. Da solche Themen bereits im Kontext von Serviceleistungen nur unzureichend beantwortet sind, gilt dies insbesondere für hybride Leistungsbündel als komplexe Kombination aus tangiblen Leistungen und Service-Leistungen.

Insbesondere der Bereich des Risikomanagements in der hybriden Wertschöpfung ist derzeit kaum beleuchtet (Schrödl, Geier, Latsch, & Turowski, 2011b). Durch die steigende Spezialisierung von Anbietern bedingt die Etablierung hybrider Angebote eine effiziente Einbindung von Lieferanten zur Leistungserstellung und Leistungserbringung. Hierbei nimmt die Risikobetrachtung eine zentrale Rolle ein. Durch unterschiedliche Zulieferer-Typen ist es für den Anbieter von hybriden Leistungsbündeln oft schwierig, neue und bestehende Lieferanten nach Risikoeigenschaften zu bewerten. Risikomodelle zur Lieferantenbewertung sind gängige Praxis in Unternehmen. Allerdings sind existierende Modelle sehr stark auf das Beschaffungsmanagement materieller Güter angelegt und nur unzureichend auf die spezifischen Anforderungen hybrider Wertschöpfung untersucht.

Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Risikomanagement-Modells, welches auf die spezifischen Anforderungen hybrider Wertschöpfung ausgelegt und anwendbar ist. Hierzu wurde zunächst ein Vergleichsrahmen zum strukturierten Vergleich bestehender Risikomanagement-Modelle entwickelt (Schrödl & Geier, 2012). Durch Anwendung des Vergleichsrahmens zeigt sich, dass kein aktuell dokumentiertes Risikomanagement-Modell für die hybride Wertschöpfung geeignet ist. Als bestmögliche Form zeigt sich das Punktbewertungsverfahren. Basierend auf diesem Verfahren wurde eine neue Methode entwickelt, die die Lücke zur Anwendbarkeit in der hybriden Wertschöpfung schließt (Schrödl, Geier, Latsch, & Turowski, 2011a). Diese Methode wurde im Rahmen eines Laborversuches evaluiert. Das Vorhaben verfolgt den Design Science-Ansatz (Hevner, March, Park, & Ram, 2004).